Damit der Pastor seine Predigtzeit einhält und die Kirchenbesucher abschätzen können, wie lange es noch geht, waren früher sogenannte Kanzeluhren weit verbreitet. Meist bestanden sie aus vier Sanduhren, die gestaffelt von einer Viertel- bis einer ganzen Stunde liefen.
Irgendwann im Laufe des 19 Jahrhunderts kamen sie außer Gebrauch und verschwanden. So kam es, daß in ganz Mecklenburg nur noch anderthalb solcher Uhren existieren. Damit aus der halben wieder eine ganze wird, wurde ich mit dem Bau des Metallrahmens für die Sanduhren beauftragt.
Außer einem malträtierten Puttenkopf und einem Metallkreuz war leider nichts Originales mehr erhalten, so daß ich mir selbst Gedanken zur Formgestaltung machen mußte.
Vom Auftraggeber wurde mir ein Holzrahmen mit den vier mundgeblasenen Sanduhren übergeben.
Ich entschied mich für ein leicht kreuzförmig zugeschnittenes Trägerblech, das in der Mitte am Drehpunkt nochmal mit einer runden Scheibe verstärkt wurde. Für die seitliche Befestigung der hölzernen Streben trieb ich zwei Jacobsmuscheln aus 0,88er Stahlblech. Daran befinden sich zwei Laschen, die um die Streben gebogen wurden.
Boden und Deckel des Holzgestelles werden jeweils von einem ebenfalls freihand getriebenen, floralen Ornament gehalten.
Nach der Endmontage konnte ich die Uhr dann in der Kirche installieren, damit die Besucher auch in Zukunft etwas über diesen weitgehend vergessenen Brauch erfahren können.