Einer meiner Gründe, warum ich mich zum Kauf genau dieses Busexemplares entschieden habe waren die nagelneuen Reifen, auf denen der Bus stand. Sechs Stück 6.50 x 20 sind ja durchaus ein Kostenfaktor.
Oh, wie lang wurde mein Gesicht, als ich bei den Vorbereitungen für den TÜV herausfand, daß diese überhaupt nicht straßenzugelassen sind. So ein Mist!
Also mußten sie runter. Die Sprengringfelgen lassen sich recht gut zerlegen. Etwas anstrengend war es nur, die Decke von der Felge zu trennen. Durch eindringendes Wasser (und Streusalz) war viel Rost entstanden, der sich bombenfest mit dem Gummi verband.
Mein nächster Schreck war der Zustand der Felgen. Eine war verbeult. Na gut, sowas passiert. Was mich aber total erschreckte, waren die Rostschäden. Trotzdem der Bus mehrere Jahre in der beheizten Werkstatt war, befand sich immer noch Feuchtigkeit zwischen Schlauch und Felge. Im montierten Zustand sah alles solide aus, aber im Verborgenen hatte das Wasser ganze Arbeit geleistet. Besonders schlimm traf es die Außenringe der Felgen. Einige waren hinter dem Sprengring bis auf Papierstärke weggegammelt und mehrfach gebrochen. Eine tickende Zeitbombe!
Im Fundus hatte ich noch mehrere Räder. Nach dem Zerlegen sahen sie ebenfalls so aus. Drei gebraucht besorgte auch.
Letztendlich mußte ich 16 Räder zerlegen, bis ich 6 verwendbare zusammen hatte!
Damit sie möglichst lange leben ließ ich sie sandstrahlen und lackierte sie dick mit einen besonders schlagfesten 2K- Lack vom Korrosionsschutzdepot.
Bei der Reifengröße gibt es nicht mehr viel Auswahl und ich habe mich dann für das Straßenprofil von Mitas entschieden. Zusammen mit den Felgenbändern und Schläuchen war das ein ungeplanter Kostenpunkt!
Montiert habe ich alles selbst, was sich bei diesem Felgentyp wirklich gut macht.
Wegen der ganzen Horrorgeschichten, die über auseinanderfliegende Sprengringfelgen kursieren, wurden die Räder mit einem sehr langen Schlauch von einem anderen Raum aus befüllt. Passiert ist nichts, denn eigentlich muß man schon ganz schön schlampig gearbeitet haben, wenn der Sprengring rausfliegen soll.

Gerechnet habe ich hingegen von vornherein damit, daß die Bremsen einmal komplett neu müssen.
Schon auf der Überführungsfahrt war die Bremswirkung eine Katastrophe und der lange Stillstand hat dann den Rest besorgt. An den Reibflächen der Bremstrommeln gab es den typischen Standrost. Zwei Trommeln hatten Risse und eine hatte ein regelrechtes Innengewinde, das ihr mal beim unsachgemäßen Ausdrehen verpasst worden sein muß.
Dank meines Lagers bekam ich vier Trommeln zusammen, die noch genug „Fleisch “ hatten, um ausgedreht werden zu können.
Nachdem das erledigt war, warf ich einen Blick auf die Radbremszylinder. Alle hatten tiefen Lochfraß innen und waren ein Fall für die Tonne.
Mehr Glück hatte ich mit den Bremsbacken. Die Beläge hatten noch eine ordentliche Stärke und waren trocken. Hier genügte eine Behandlung mit Sandpapier.
Sämtliche Bremsleitungen fertigte ich neu an und selbstverständlich wurden auch die völlig rissigen Bremsschläuche ersetzt.
Nach der Montage wurde alles befüllt, entlüftet und das Spiel eingestellt. Die Arbeit zahlte sich aus, denn auf dem Bremsenprüfstand beim TÜV zeigte sich, daß die Bremskräfte fast exakt symmetrisch waren. Soweas habe ich von einem Robur noch nie gehört. 😉
Nach dem ganzen Stress am Fahrwerk wird es nun Zeit für angenehmere Arbeiten.

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