Robur III: Pech mit dem Blech

<– zurück zu Robur II

Was nun?

Mir war ja von vorn herein klar, daß Schweißarbeiten fällig sein würden, aber daß es dermaßen übel aussehen würde, war dann doch etwas ernüchternd. Tatsächlich dachte ich kurz daran, das Fahrzeug zu schlachten und mich nach einem neuen umzusehen. Am Ende siegte dann aber doch der Ehrgeiz (oder Trotz?) Also frisch an’s Werk:

Am Schlimmsten sah der Bus im gesamten oberen Bereich aus. Alle Bleche waren damals im Werk überlappend verschweißt worden, ohne die Zwischenräume zu konservieren. Da lag blankes Blech auf blankem Blech. Zwischen den spärlich verteilten Schweißpunkten zog der Kapillareffekt das Wasser in den Spalt, wo es in Ruhe seine Wirkung entfalten konnte. Das galt sowohl für das Regenwasser, als auch das reichlich vorhandene Kondenswassser, von dem die 21 Passagiere täglich genug mitgebracht hatten.

Der Rand des Hochdaches war einmal rundherum komplett weg. Mir blieb also nur noch, die Ränder glatt zu schneiden und die restlichen Schweißpunkte aufzumachen. Dann fertigte ich eine neue Kante aus galvanisch (schweißbar!) verzinktem 0,88er Karosserieblech, welche um eine Materialstärke abgesetzt unter die Dachhaut geschoben und verschweißt wurde. Den unteren Rand setzte ich, wie im Original, flach auf das Dach und verschweißte ihn im Lochpunktverfahren. Dabei setzte ich allerdings die Schweißpunkte in 15mm Abstand, wo es im Original locker 50mm waren. Das brachte nicht nur Stabilität, sondern reduzierte spürbar das Dröhnen, wenn man mit der Faust auf’s Dach schlug.

Besonders schlimm hatte es auch die Dachlängsträger und die Fensterrahmen erwischt. Die Träger sind rechteckige Kästen, welche aus zwei Hälften zusammengeschweißt wurden. Außen liegt die Dachhaut flach auf, wobei die Kante dann von der Dachrinne verdeckt wird. Auch hier hatte die Kapillarwirkung ganze Arbeit geleistet. Auf der rechten Seite blieb nichts weiter übrig, als das Dach zu öffnen und den Träger und fast alle Fensterecken vollständig nachzubauen. Gleiches galt auch für den Heckscheibenrahmen: Die Scheibe muß schon fast von allein herausgefallen sein. Also einmal Totalsanierung mit weitgehendem Neubau.

Im Bereich der Frontscheiben mußte ich den kompletten Übergang zum Dach und große Teile der Dachwölbung anfertigen. Ebenso wurde der Mittelsteg der geteilten Scheiben komplett neu angefertigt. Unten um den Rahmen herum waren nur ein paar kleinere Löcher, die ich zuschweißen konnte.

Überraschend gut sah der Rest des Busses aus. An ein paar Stellen, wo das Karosserieblech mehrlagig übereinander liegt, gab es Durchrostungen, die aber, da glattes Blech, relativ einfach instand zu setzen waren.

Die hinteren Endspitzen der vorderen Radläufe waren von innen nach außen durchgerostet, weil sich genau dahinter ein tragendes Profil befindet, welches Unmengen Straßendreck einfängt und ein hervorragendes Gammelbiotop bildet. Deshalb dengelte ich die Teile neu und werde in Zukunft ein Auge darauf haben, daß diese Stelle regelmäßig gereinigt wird.

Ziemlich durch war auch der Einstieg Im Bereich der Passagiertür. Genau unter der Treppe befinden sich die beiden Starterbatterien, welche dort genug Säure verteilt hatten, um fast herauszufallen und sogar Teile des sich ersten Staukastens anzunagen. Deshalb wurde auch hier großzügig der Winkelschleifer angesetzt und alles einmal komplett neu gemacht.

Nachdem ich noch diverse kleinere Klappen, Deckel und Halter gebaut hatte, war das Thema Blech nach einem guten halben Jahr endlich geschafft. Insgesamt habe ich ca. 4,5m² Karosserieblech verarbeitet. Zählt das schon als Neubau?

Als nächstes waren nun die Vorbereitungen zum Anmalen zu treffen…

weiter zu Robur IV–>

2 Gedanken zu „Robur III: Pech mit dem Blech

  1. Frank Möhlenkamp

    Ich habe Ihre Arbeit in einem Bericht auf Google gesehen und gleich durchgelesen. Wahnsinnig schön, ist der Bus geworden. Auch Ihre Bilder von den Spängler Arbeiten. Das lernt man ja nicht wirklich als Kfz Mechaniker. Ich habe in diesem schönen Beruf auch gearbeitet. Leider habe ich zu viel Raubbau mit meinem Körper gemacht und bin jetzt Rentner, weil mein Rücken nach mehreren OPs kaputt ist. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall noch viel Erfolg bei der weiteren Restauration und dem Innenausbau und dann erst einen schönen Urlaub und viel Spaß mit dem schönen Auto.
    Ach, da ist mir noch eingefallen, als Sie die überlappenden und unkonservierten Bleche, welche verschweißt wurden, erwähnt hatten. Da ist mir doch gleich das rechte Seitenteil vom VW T3 eingefallen, wo wir mit Dichtmasse verzweifelt versuchen sollten, die Korrosion dort so aufzuhalten. Da kam der Rost dann auch, natürlich, wieder durch; und bei den Bullis, wo noch kein Rost zwischen den Blechen war, ist jetzt noch die schwarze, nicht überlackierbare Fuge zu sehen.

    Antworten
    1. Ölfinger Beitragsautor

      Hallo Herr Möhlenkamp,
      vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar!
      Das mit den überlappenden Blechen ist ein echtes Problem und mangelnde Konservierung war in dieser Zeit bei vielen Fahrzeugen ein vernachlässigtes Thema.
      Ich habe alle überlappenden Nähte mit Schweißprimer behandelt und später noch richtig schön mit Brantho Korrux 3in1 (Das ist ein sehr robuster und gut schützender Industrielack) vollaufen gelassen.
      Nach dem Lackieren kam nochmal ordentlich Konservierungsfett dazu. Im Nächsten Teil der Restaurierungsgeschichte schreibe ich dazu mehr.
      Ihnen wünsche ich alles Gute und vor allem Gesundheit!
      beste Grüße Peter

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.