Archiv des Autors: Ölfinger

Ein Eßtisch für den Garten

Der Auftrag war, einen Gartentisch für 6 Personen zu gestalten, der möglichst robust sein muß und das ganze Jahr über im Freien verbleiben kann.

Die Materialwahl fiel auf Stahl in Rostoptik, wobei das Design aber “weich” sein und nicht den aktuell verbreiteten kubistischen Formen folgen sollte. Aus diesem Grunde habe ich eine bereits vorgerostete Blechtafel in 2,5mm Stärke manuell in einem Radius von ca. einem Zentimeter umgekantet und anschließend mit dem Hammer so geformt, daß sie ähnlich einer Tischdecke fließt.

Obwohl die Platte dadurch bereits in sich ausreichend steif war, um darauf stehen zu können, schweißte ich an die Unterseite einen Rahmen aus 30er Winkeleisen. So besteht die Option, später noch ein Staufach oder Schubladenkästen daran zu montieren.

Die Tischbeine habe ich mit dem Plasmaschneider entlang einer vorher angefertigten Schablone ausgeschnitten und rechtwinklig abgekantet. Unten kamen noch dreieckige Plättchen als Aufstandsflächen dran. Das Ergebnis ist sehr steif und standfest.

Nachdem alle Kanten entgratet und verrundet waren habe ich noch ein Blumen- und Sternendekor in die Tischfläche eingeschliffen und teilweise galvanisch mit Kupfer beschichtet. Als Versiegelung kamen darüber noch mehrere Lagen kratzfesten Klarlackes. Das hält!

Robur II: Die Spur des Sandsturms

Der nächste Schritt war nun, den Bus gründlich zu entkernen. Als erstes kam der Himmel raus. Ich hatte gehofft, ihn retten zu können, aber er war dermaßen spröde, daß er mir an manchen Stellen unter den Händen zerbröselte. Das ging so weit, daß er nicht einmal als Schnittmuster für einen neuen taugte und daher komplett in die Tonne wanderte. Die wohl zum Entdröhnen unter das Dach geklebte Filzmatte lag lose und feucht auf dem Himmel und hatte in der Vergangenheit auch einer Mäusefamilie als Wohnstätte gedient. Dementsprechend rieselten mir bei der Arbeit die Köttel ins Genick. Lecker!

Vergessen konnte ich auch die Wohnausstattung. Sie war recht simpel gemacht und sagte mir sowieso nicht zu. Die Kiefernholz- Tischplatte hatte durch eine undichte Scheibe ordentlich Wasser abbekommen und war auf der Unterseite von einem großen Pilzmyzel durchzogen. Ein Fall für den Ofen. Selbst der eigentlich recht gute Gasherd flog raus, da alle Nicht-Edelstahlteile stark verrostet waren.

Alle Scheibengummis waren steinhart und wurden offenbar unter Zugspannung eingesetzt. Daher wölbten sie sich an den Ecken teils mehrere Zentimeter von der Karosse weg und waren von einem offenbar recht verzweifelten Vorbesitzer reichlich mit Sikaflex hinterspritzt worden. Also Schnelldemontage per Cutter.

Schon beim Entkernen zeigten sich große, einfach zugespachtelte Löcher, die natürlich nur sehr kurze Zeit wasserdicht gewesen waren und der braunen Pest ordentlich Nahrung lieferten. Der ganze Bus stank furchtbar muffig, nachdem alles freigelegt war.

Ursprünglich wollte ich alles per Hand mit Zopfbürste und CSD-Scheibe entrosten. Da aber genau die verwinkelten Ecken und scharfen Kanten am Schlimmsten aussahen, entschied ich mich, einen mobilen Sandstrahler zu beauftragen.

So kam es dann, daß fast eine ganze Palette Strahlsand durch den Bus zog. Ich hatte völlig unterschätzt, mit welcher Wucht ein professionelles Strahlgerät den Sand durch den Bus pfeffert. Meine sorgfältig angebrachten Abklebungen an der Elektrik, am Lenkrad, diversen Hohlräumen usw. hatten der Gewalt praktisch gar nichts entgegenzusetzen, so daß es zu erheblichen Kollateralschäden kam. Tagelang entfernte ich mit dem Staubsauger und diversen Hilfskonstruktionen wirklich von überall das Strahlgut und bestimmt ein Kilogramm davon wird wohl für immer mit dem Bus spazieren fahren. Einige Kabel waren zerschossen und alle Schalter sowie die meisten Relais Schrott. Auch das schöne, fast neue Lenkrad hat Spuren davon getragen.

Aber das alles war nichts im Vergleich zu dem, was von der Karosserie übrig geblieben war…

-wird fortgesetzt-

Polierbock frisieren

Nachdem ja nicht nur am Bus reichlich Aluteile anfallen, die poliert werden wollen, sondern auch das eine oder andere Teil, das ich für Kunden anfertige, auf Hochglanz gebracht werden müssen, mußte eine ordentliche Poliermaschine her.

Im Lager hatte ich noch einen massiven Doppelschleifbock aus den 40ern herumzustehen, für den ich gleich mal passende 300er Polierscheiben in verschiedener Härte orderte. Der erste Test war recht ernüchternd. Das Ding hatte überhaupt keine Kraft! Also Motor duchmessen, Verkabelung prüfen: Alles in Ordnung. Hm. Mal aufschrauben. Im Inneren zeigte sich eine recht zierliche Wicklung und ein ebenso zierlicher Kurzschlussläufer. Also war der Motor tatsächlich von Hause aus so mickrig dimensioniert.

Was nun? So konnte das nicht bleiben. Selbst beim Polieren von Kleinteilen brachte man den Schleifbock spielend zum Stehen. Anderseits gefiel mir die massive Bauweise mit dem schweren Graugußfuß.

Also wurde der Motor entkernt und die Motorwelle mit einer Keilriemenscheibe versehen. Bei der Gelegenheit kamen auch gleich gekapselte Kugellager rein und die schönen, alten Staufferbuchsen wurden eingelagert. Passend zur Keilriemenscheibe bekam das Motorgehäuse ein Fenster. In den Graugußfuß habe ich mit dem Plasmaschneider eine große Öffnung zur Montage eines ordentlichem Motors geschnitten und auf der gegenüberliegenden Seite einen langen Schlitz für den Keilriemen angebracht.

Unten in den Fuß kam nun ein 2,2kW-Drehstrommotor, der auf vier 16er Gewindestäben steht, so daß man ihn damit ausrichten und den Keilriemen spannen kann.

Nachdem erste Tests vielversprechend verliefen wurde noch ein Keilriemenschutz aus Blech gekantet und das Ganze mit Hammerschlagfarbe lackiert. (Ich weiß, das “Grün” ist nicht besonders schön, aber es war gerade zur Hand 😉 )

Inzwischen habe ich schon einige Stunden mit dem Gerät gearbeitet und bin sehr zufrieden. Die Leistung ist mehr als ausreichend und der Arbeitsgeschwindigkeit setzt nur noch die Temperatur des Werkstückes Grenzen.

KunstOffen 2019

Nachdem es schon 2017 und 2018 sehr viel Spaß gemacht hat bin ich auch dieses Jahr wieder dabei:

Zu Pfingsten, also vom 8. bis 10. Juni sind wieder alle eingeladen, vorbeizuschauen und alle Instrumente sowie mehrere Verstärker auszuprobieren.

Wie immer freue ich mich auf viele interessante Gespräche!

Ich mache die Werkstatt wieder an allen drei Tagen von 10 bis 18 Uhr auf.

Ich löte mir einen

Röhrentechnik hat es mir schon immer angetan. Das Glühen der Heizungen, der Geruch nach heißem Staub und die besondere Robustheit der Technik hat einfach was. Auf 10 Volt mehr oder weniger kommt es auch nicht an – ein Bereich, wo ein Großteil der Halbleiter sich schon in Rauch auflöst. Genau das Richtige für mich.

 

So mußte ein defektes Röhrenradio aus DDR-Zeiten als Spender des Netztrafos herhalten. Da ich gänzlich auf Halbleiter verzichten wollte und die Anschlüsse des Trafos das her gaben erfolgt die Netzgleichrichtung per EZ80. Das hat auch den weiteren Vorteil, daß es alle Röhren schont, weil natürlich die Gleichrichterröhre nach dem Einschalten ebenfalls erst einmal warm werden muß und demzufolge die Spannung im System langsam auf den Maximalwert ansteigt.

Ich entschied mich für 2 Vorstufen mit jeweils einer ECC83, welche per Schalter anwählbar sind. Der erste Kanal ist “clean” ausgelegt, der zweite so, daß er bei Zeiten zerrt.

Als Endstufenröhre dient eine EL84. Das reicht für eine Ausgangsleistung von 4 bis maximal 5 Watt, was völlig ausreicht um der gesamten Familie auf die Nerven zu fallen.

Nach einiger Planung und einigem Hin- und Herschieben der einzelnen Komponenten fertigte ich ein Chassis aus verzinktem Karosserieblech an und befestigte zunächst Netztrafo, Ausgangsübertrager, Lötleisten und Röhrensockel darauf.

Das anschließende Zusammenlöten und testen nahm viel Zeit in Anspruch, weil das ganze Konstrukt beim ersten Test immer nur sekundenweise lief und dann unhörbar leise wurde. Als Ursache stellte sich eine vergessene Masseverbindung heraus. Dann fing das Ding an, bei jeder Gelegenheit wie verrückt zu schwingen. Abhilfe schaffte hier die drastische Verkleinerung der Koppelkondensatoren. Hier und da waren dann noch kleinere Korrekturen fällig, bis das Ganze zu meiner Zufriedenheit lief.

Nun mußte ein Gehäuse her. Ich hatte noch einige Meter 20er Winkeleisen, woraus dann der Rahmen zusammengeschweißt wurde. Unten kamen uralte Porzellanisolatoren als Füße dran und die Oberseite sowie die Seiten wurden aus den Brettchen einer alten Obsthorte, welche ich nur leicht angeschliffen habe gebaut. Hinten ist ein Alugitter zur Wärmeabfuhr und als Berührungsschutz. In die Vorderseite setzte ich eine leicht angerauhte Glasscheibe aus einem Bilderrahmen ein.

Auf dem Oldiebasar in Neuruppin konnte ich vor 2 Jahren ein altes Graviergerät mit 2 Schriftsätzen ergattern, was mir sehr gute Dienste bei der Gestaltung der Frontplatte leistete.

Nun brauchte ich nur noch das alte Radiogehäuse komplett entkernen, lackieren und mit einer massiven Holzplatte als Front ausstatten. Dort hinein kam ein 30cm großer Philips- Lautsprecher aus den 60ern, der mir mal freundlicherweise geschenkt worden war. Das Ganze mit zeitgenössischem Lautsprecher- Bespannstoff neu bezogen – fertig!

Der Verstärker steht in meinem Arbeitszimmer als Übungsamp und ich habe sehr viel Saß damit.

Besuch vom NDR *Update*

Es war ein spannender Tag: Friederike Witthuhn war mit ihrem Team vom NDR- Fernsehen zu Besuch, hat mir einen guten halben Tag lang zugeschaut und Fragen zu meinen Instrumentenbasteleien gestellt.

Das Ganze wird als Beitrag im NDR- Nordmagazin zu sehen sein. Der Sendetermin steht noch nicht fest, wird aber auf jeden Fall von mir hier noch rechtzeitig bekanntgegeben.

UPDATE: Gesendet wird am Montag, den 11.02. im Nordmagazin zwischen 19:30 und 20:00 Uhr.

 

 

Robur B21 Restaurierung

Lange, lange hatte ich mich nach einem Roburbus für uns umgesehen. Diesmal sollte es eine solide Basis sein. Halbwegs gesundes Blech und auch technisch zumindest einigermaßen in Ordnung. Klar, ein Benzinmotor oder auch ein defekter Diesel wären jetzt nicht das Ausschlußkriterium gewesen. Die Reparatur oder gleich der Umbau auf einen Deutz- Diesel ist ja ein überschaubares Problem.

Bloß das Blech…das sollte doch wenigstens in Ordnung sein. Viel zu viel Zeit hatte ich bei anderen Projekten in der Werkstatt und viel zu wenig auf der Straße damit verbracht.

Das soll diesmal anders werden.

Im Laufe eines Jahres sah ich mir dann so einige angebotene Busse an und langsam wurde mir klar, daß es nahezu ausgeschlossen ist, einen Bus mit wirklich gutem Blech zu bekommen.

Entweder waren es katastrophale Spachtelbomber und/oder sie wiesen schlimme Rostschäden auf.

Die Schwachstellen sind fast immer die gleichen:  Unter dem großen, gewölbten Dach kondensiert die verdunstete Feuchtigkeit von 42 Modderschuhen und läuft von dort zwischen die überlappenden Bleche und in die ganzen Hohlräume der Fensterrahmen und Holme. Weil dort wenig bis gar nicht konserviert wurde ist die Wirkung dann dementsprechend verheerend. Der Gammel erfolgt von innen nach außen, so daß man lange nichts von der sich anbahnenden Katastrophe bemerkt. Wenn man dann plötzlich undichte Fenster bemerkt, den Gummi wegbiegt und den Fensterrahmen mit dem Daumen eindrücken kann ist die Karre bereits ein Fall für die Kernsanierung.

Untenrum sieht es dagegen mangels größerer Hohlräume überraschend gut aus. Kotflügel, Endspitzen usw. scheinen selten ein Thema zu sein.

Lediglich die Stellen, wo die glatten Seitenbleche überlappen und das Ganze mehr schlecht als recht von den Zierleisten abgedichtet wird blühen auch ganz gern mal.

Letztendlich war es immer das Gleiche: Einen Bus, der auf den Bildern ganz brauchbar aussieht und wo auch der Preis akzeptabel erscheint im Internet aufstöbern, 300km einfache Strecke Anfahrt und vor Ort mit langem Gesicht vor einem Wrack oder einem Spachtelbomber stehen.

Also was soll’s: Ich mußte mich also doch damit abfinden, daß es nicht ganz ohne Arbeit abläuft.

So ergab es sich, daß ich dann im Juli 2018 mit heruntergeschraubten Erwartungen nach Thüringen fuhr und mir das nächste Exemplar ansah.

Positiv fiel auf, daß der Bus zugelassen war und noch ein halbes Jahr “TÜV” hatte. Das spart schonmal 1200,-€ Überführungskosten. Weiterhin waren alle 6 Reifen erst im Februar erneuert worden. Der “Wohnmobilausbau”-naja. Das fliegt sowieso raus und wird nach meinen Vorstellungen neu gebaut.

Wie erwartet war das Blech in eher schlechtem Zustand. Unter die Fenstergummis hatte man soviel Silikon druntergegloddert, daß diese stellenweise mehr als einen Zentimeter abstanden. Insofern klar, was darunter zu erwarten war.

Insgesamt wies die Karosse viele Spachtelstellen auf. Drückte man den Himmel im Bereich des oberen Längsträgers ein, knisterte der Rost – und das egal, auf welcher Stelle man das tat. Aber wie gesagt: Mit anstehenden Schweißarbeiten hatte ich mich schon abgefunden, dabei allerdings gehofft, daß diese überschaubar blieben.

Bei der Probefahrt zeigte sich, daß der Motor in absolutem Bestzustand war und wirklich tadellos lief. Schlechter sieht das Getriebe aus: Man mußte wirklich kräftig umrühren, um einen Gang zu finden. Die Bremse zog sehr schief, was ich allerdings auf Standschäden zurückführte. Erst sehr viel später sollte sich herausstellen, daß nur 2 Räder bremsen konnten, weil ein Bremskreis komplett leer war!

Also wurde zäh verhandelt und der Bus wechselte für einen angemessenen Betrag den Besitzer.

Bis alles in Sack und Tüten war wurde es 15 Uhr und wir machten uns von der thüringischen Kleinstadt auf die genau 350km weite Heimreise.

Nachdem ich mich anfangs noch sehr an das schwammige Fahrverhalten des Buses und die manchmal leicht verzweifelte Suche nach dem passenden Gang gewöhnt hatte fing es an, richtig Spaß zu machen.

Viele Leute winkten mir zu oder zeigten mir den “Daumen hoch”. Eher selten waren dies allerdings LKW-Fahrer, da die Fuhre jenseits der 75 km/h wirklich hinfernalischen Lärm verursachte und dementsprechend bewegt wurde. Das Radio hatte trotzdem kaum eine Chance gegen den Geräuschpegel.

Bis kurz vor Leipzig lief alles prima. Dann begann der Bus erst unmerklich, bald aber heftig nach rechts zu ziehen.

Auf dem (zum Glück) gleich erreichbaren Parkplatz stellte sich heraus, daß der Flansch der rechten Steckachse undicht war, woraufhin beide rechten Hinterräder mit Öl geduscht worden waren. Dies hatte wiederum zur Folge, daß beide Reifen auf der Felge wanderten und die Ventile aus den Schläuchen rissen. Super! Was jetzt?

Das an Bord vorhandene Werkzeug war alles andere als ausreichend. So blieb auch nicht die Möglichkeit, einfach das Linke Zwillingsrad auseinander zu schrauben und nur mit 2 Rädern auf der Hinterachse nach Hause zu fahren. Beim unbeladenen Bus hätte das kein Problem dargestellt.

Nach längerer Suche und Recherche fand sich ein mobiler Reifendienst, der nach 2 Stunden Wartezeit in brütender Hitze mit 2 passenden Schläuchen vorbei kam und die Sache recht flink behob. Dabei zeigte sich noch, daß man beim Reifenwechsel die steinharten, von Rostplacken total kaputt geriebenen uralten Felgenbänder drin gelassen hatte. Raffiniert… Ich lieh mir vom Reifendienst eine Schere und schnitt aus den alten Schläuchen wenigstens provisorische Felgenbänder.

Weiter ging es. Beim Tankstopp auf dem Rasthof Fläming sagte der Starter plötzlich nichts mehr. Zum Glück ließ sich das mit einigen herzhaften Schlägen auf den Magnetschalter schnell beheben.

Letztendlich fiel ich dann nach 2:30 Uhr völlig erledigt zu Hause ins Bett.

-wird fortgesetzt-

KunstOffen 2017

Es ist soweit: vom 3. bis zum 5. Juni  findet zum 15. Mal die landesweite Aktion “KunstOffen” statt. Ich freue mich besonders, in diesem Jahr das erste Mal dabei sein zu dürfen.

Von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr habe ich die Werkstatt offen und einige Gitarren und Röhrenverstärker zum Ausprobieren für Euch bereit.

Während der Aktion werde ich eine neue dreisaitige Gitarre bauen und Ihr seid herzlich eingeladen, mir dabei zuzuschauen.

Ab 13.00 Uhr bietet unsere Kuchenfee Ines Kaffee und ihre leckeren Kuchen an.

Ihr findet mich in der Werkstatt in der Dorfstraße in Schwarz, wo der Aufsteller mit dem gelben Schirm in der Einfahrt steht.

Ich freue mich auf interessante Gespräche!

Hoinerfakkass!

Nachdem ich im vorigen Jahr Bruder Tobi von den Hoinerfakkass mal meine zweite (eigentlich dritte) Kanistergitarre “The BluesII” antesten ließ, war dieser zu meiner Überraschung davon angetan und wünschte sich prompt auch so ein Teil.

Natürlich nahm ich die Herausforderung an und konzipierte nach seinen Wünschen wieder eine Kanistergitarre mit einigen technischen Abweichungen vom Vorgängermodell. So mußte unter anderem der Saitenhalter so konstruiert werden, daß sich gerissene Saiten möglichst schnell und unkompliziert wechseln lassen und die Griffbrettbreite auf ein bei E- Gitarren eher übliches Maß reduziert werden. Beim Vorgängermodell, welches ich für mich selbst gebaut habe, wählte ich noch Griffbrettmaße, wie sie eher bei akustischen Gitarren üblich sind, damit ich mit meinen großen Flossen besser greifen kann.

Als Erstes wurde wieder geeignetes Holz für den Hals selektiert. Meine Uralt- Eichenbohle lieferte wieder ein paar Leisten mit günstigem Faserverlauf und damit das Ganze nicht zu steif und schwer wird, kamen abwechselnd Streifen aus Wildkirsche dazwischen. Für die Kontraste legte ich noch 2 Streifen Mahagonifurnier und einen Streifen Mooreiche dazwischen.

Nachdem nun die Breite des Halses und die Mensurlänge festgelegt waren, konnte mit dem Ausschneiden des Kanisters begonnen werden. Wieder entschied ich mich für einen durchgehenden Hals und 2 splitbare Humbucker, welche ohne die üblichen breiten Blendrahmen direkt in die Ausschnitte montiert werden sollten.

Um später gut an die Technik herankommen zu können schnitt ich die gesamte Rückseite des Kanisters heraus und lötete mit der offenen Flamme einen umlaufenden Streifen verzinkten Stahlbleches als Auflage ein. Das gelang so vorsichtig, daß sogar der Lack des Kanisters kaum in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Entsprechend meiner Recyclingmentalität stammt das Blech übrigens aus der Rückwand meines alten Geschirrspülers. 😀

Etwas grübeln mußte ich bei der Konstruktion des Saitenhalters. Wie ließ sich optisch halbwegs ansprechend ein Saiten- und Haslshalter bauen, der ein möglichst schnelles Wechseln der Saiten ermöglicht?

Die Lösung brachte wieder einmal ein intensiver Tauchgang in meinem Messykabinett. Es fand sich eine halbe Messingtürklinke aus der Gründerzeit. Zwei Löcher in die Verzierungen sorgen mit 2 Schrauben und einem entsprechenden Gegenstück für ordentlichen Halt und in eine verdeckte Fräsung auf der Rückseite lötete ich einen gelochten Streifen Messingblech für die Saiten ein.

Irgendwie stören mich die häßlichen und meist nicht besonders gut kaschierten Löcher für die Halsstabeinstellung an den Kopfplatten der meisten E- Gitarren. Deshalb sitzt bei diesem Modell der Halsstab “verkehrt herum” und wird mit einem 8er Maulschlüssel im Technikfach eingestellt. Die Wirkung des Halsstabes ist gut und ich werde diese Bauweise wohl in Zukunft beibehalten.

Mein herzlicher Dank gilt meinem Arbeitskollegen Nikolai, der mir freundlicherweise einen ganzen Packen alter Stegbohlen aus Bongossiholz überlassen hat. Bereits 3mm unter der Oberfläche ist das Holz kerngesund und liefert mir Material für die Griffbretter der nächsten Jahrzehnte. 😉  Das tropische Eisenholz hat eine enorme Festigkeit und läßt sich mit normalem Holzbearbeitungswerkzeug nur recht schwer bearbeiten. Meinen Dickenhobel habe ich extra rasiermesserscharf geschliffen und die 4mm Griffbtrettstärke in 1/10mm- Schritten erarbeitet.

Bevor da Mulden ins Griffbrett gerieben sind werden noch einige Hoinerfakkasskonzerte ins Land gehen…

Ich würde übrigens nie irgendwelche Tropenhölzer neu kaufen. Gerade Bongossi gilt als möglicherweise vom Aussterben bedroht. Daher sind solche Sachen bei mir grundsätzlich recycelt.

Da das Griffbrett ja am Ende trapezförmig ist, wird es sehr schwierig, die Bundschlitze winklig einzubringen. Deshalb und weil das Griffbrett beim Verleimen möglicherweise etwas wegschwimmen könnte habe ich es exakt parallel gehobelt und mit Übermaß aufgeleimt.

Erst dann wurde die Mensurlänge (647,7mm) eingemessen und die Position der Bünde festgelegt. Das Bundieren ist eine Aufgabe, die ich immer sehr ernst nehme. Zunächst wurde die Position der Bundstäbchen auf 3 Nachkommastellen ausgerechnet. Dann wurde mit einem scharfen Messer angerissen, wobei die zehntel Millimeter genau gemessen und die Hundertstel auf jeweils volle 5/100stel gerundet und geschätzt wurden. Geschätzt? Ja, das geht. Wenn man ein paar Jahre mit Metall arbeitet, lernt man, sowas zu sehen. 😉

Da der Bunddraht (hartes Neusilber mit 18% Nickel) eine Fußbreite von 0,6mm hat, schnitt ich die Schlitze mit einer 0,55mm breiten selbstgebastelten Säge zu und preßte die Bünde mit einem winzigen Bißchen verdünntem Flugzeugepoxid  ein. Zu meiner großen Freude gelang das wieder so gut, daß kein einziger Bund abgerichtet werden mußte.

Nun wurde der Sattel aus Messing gefeilt und poliert. Auch wenn dieses Material eigentlich ziemlich unüblich ist bleibe ich dabei: Es ist sehr verschleißfest, genau bearbeitbar und der Klang ist gut. Manche Gitarrenbauer bemängeln eine zu große Härte und daraus folgend einen zu “sterilen” Klang, was ich für reines Voodoo halte. Die “Wärme” des Gitarrenklanges kommt von der Interaktion der Saitenspannung mit der Elastizität und Masse des Halses und nicht davon, wie stark ein schmaler Streifen Knochen, Messing oder Plaste zusammengedrückt wird.

Zumindest ich konnte noch nicht einmal einen meßtechnischen Unterschied feststellen.

Nun folgte noch das Fertigbearbeiten der Oberflächen, Versiegelung mit meiner Bienenwachsmixtur, die Installation der Mechaniken und die elektrische Verkabelung. Für die Beschaltung der beiden splitbaren Humbucker von Artec, von deren Klang ich übrigens sehr begeistert bin, wählte ich wieder einen originalen Fender Super Switch und folgende Konstellation:

Pos.1: Bridge Abnehmer als Humbucker

Pos.2: Bridge als Single Coil

Pos.3: Bridge und Neck parallel als Humbucker

Pos.4: Neck als Single Coil

Pos.5: Neck als Humbucker

Dazu kam noch ein linearer 500k- Poti zur Anpassung des Pegels sowie die Klinkenbuchse wieder im Deckel des Einfüllstutzens.

Damit erreicht man ein sehr breites Klangspektrum von warm-weich bis messerscharf-obertonlastig.

Nach den letzten Einstellarbeiten wurde das Gerät dann beim Hoinerfest 2015 an den Künstler übergeben und feierlich eingeweiht. Noch vor Ort wurde schnell der Tragegurt (Deutsche Bahn, 2,3t) angepaßt.

Es stellte sich heraus, daß die Saitenlage noch etwas tiefer eingestellt und die Sattelkerben etwas vertieft werden müssen. Bei der Gelegenheit breche ich noch etwas die Kanten der Bundstäbchen, die ich vorsichtshalber zunächst rechtwinklig gelassen habe.

Nun, das ist kein Problem und wird demnächst bei einer gemeinsamen Tasse Bier erledigt.

I got the Blues II

 

Seit ich den Dreisaiter gebastelt habe, macht es mir sehr viel Spaß, damit zu spielen. Gerade für mich als mehr oder weniger Gitarrenanfänger mit wenig Zeit zum Üben ist das Ding ideal. Man kann auch ohne fortgeschrittene Kenntnisse bald recht intuitiv damit spielen und hat recht schnell motivierende Erfolge zu verzeichnen.
Dennoch reizte es mich mit wachsender Erfahrung beim Bauen und Spielen mich mal an einen Sechssaiter zu wagen.
Es sollte was ordentliches mit viel Sustain und einem möglichst breiten Klangspektrum werden. So entschied ich mich für eine Mensurlänge von 672,7mm und wählte diesmal als Halsmaterial besonders steife Eiche von einer mindestens 70 Jahre abgelagerten Bohle, die ewig auf einem Dachboden herumlag und mir mal zum Verheizen(!) überlassen worden ist. Ich schnitt wieder Streifen, die ich sorgfältig gegeneinander gesperrt verleimte. Zur Zier kamen noch schmale Streifen Mahagoni von einer alten Tür dazwischen.
Ich verwende übrigens grundsätzlich keine “frischen” exotischen Hölzer, da ich nicht sicher sein kann, ob sie aus irgendwelchem Raubbau stammen. Alles von mir verarbeitete Tropenholz stammt aus Abrißmaterialien wie Türen, Fenster, Treppenstufen oder im Falle der Bongossi- Griffbretter von Schiffsanlegern.
Um den Saitenzug kompensieren zu können zog ich einen Halsstab ein, dessen Mutter in der Kopfplatte sitzt und noch eine Abdeckung bekommt. Die Kopfplatte wurde diesmal separat angefertigt und an den Hals angeschäftet.
Um die Elektronik vernünftig installieren und ggf. reparieren zu können habe ich diesmal einen großen Wartungsdeckel auf der Rückseite vorgesehen. Ebenso findet der Saitenwechsel durch diese Öffnung statt.
Als Tonabnehmer wählte ich zwei -übrigens sehr gut klingende- splitbare Humbucker von Artec, die ich über einen fünffach- Superswitch von 7ender folgendermaßen beschaltete:
1. Bridge Abnehmer als Humbucker
2. Bridge als Singlecoil
3. Bridge + Neck parallel als Humbucker
4. Neck als Singlecoil
5. Neck als Humbucker
Dazu kam noch ein Lautstärkepoti und eine vergoldete Klinkenbuchse, welche wie beim ersten Projekt wieder in den Einfüllstutzen wanderte.
Den Steg habe ich diesmal nicht selbst angefertigt, sondern nutzte ein kompensierbares No-Name- Teil aus der Bucht. Wie beim ersten Modell habe ich den Sattel wieder aus Messing gefeilt. Allen Unkenrufen zum Trotz bin ich mit dem Klang dieses Materials sehr zufrieden.
Auch die Griffbrettmarkierungen habe ich wie beim ersten Mal aus etwas Kleinschrott auf der Drehbank angefertigt. Diesmal verwendete ich allerdings Aluminium und ich habe auch seitliche Markierungen angebracht.
Alles in allem stecken ca. 3 Wochen Arbeit in der Gitarre und ich bin mit dem Klang äußerst zufrieden. 🙂
Das Nachfolgemodell ist schon in Planung…